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Nemesis' Hallen der Erkenntnis
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Nemesis (M+)

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Registriert: 31.03.2004
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18.08.2004 - 02:36: II. 1. Ordnung & Chaos | Zitieren Zitieren

Die Bedeutung von Ordnung und Chaos im Alltag des Menschen :


1) Die Ordnung :

Die Ordnung wird von den meisten Menschen als eine sehr angenehme Einrichtung empfunden, da sie uns dabei hilft, Dinge schnell und präzise zu benennen und wiederzufinden. Daher wird sie oft mit Attributen wie "Rechtschaffenheit", "Gesetzestreue" oder dem "Guten" allgemein in Verbindung gebracht. Und tatsächlich scheint es so, daß dem Menschen symmetrische Formen, wie man sie z.B. bei Kristallen findet, näher zu stehen scheinen, als ungeordnete Formationen, die nicht auf den ersten Blick deutlich zu dechiffrieren sind. Damit läßt sich auch die Abneigung vieler Menschen gegenüber den Bildern von Picasso erklären, da diese ebenfalls nicht sofort zugänglich sind. Man kann also sagen, daß der Mensch der Ordnung bedarf, um sich in seiner Welt zurechtzufinden. Als bestes Beispiel für den Versuch des Menschen, Ordnung in die Welt um sich herum zu bringen, seien hier nur die physikalischen bzw. mathematischen Formeln in der Naturwissenschaft genannt, die einzig und allein dem Zweck dienen, Dinge und Ereignisse begreifbar und damit auch vorhersehbar zu machen. Wie wichtig die Vorhersehbarkeit von Ereignissen ist, kann man im Zusammenhang mit Sturm- bzw. Erdbebenwarnungen leicht erkennen. Auch das Bestreben des Menschen, Dingen und Ereignissen Begriffe zuzuordnen, spiegelt die Bedeutung der Ordnung als Orientierungshilfe wider. Von daher sind wir also geneigt, uns eher der Ordnung als dem Chaos zuzuwenden und in ihr einen Schlüssel zu unserem Dasein zu sehen. Folglich fällt es uns nicht schwer, uns zwischen Ordnung und Chaos ein ambivalentes Gleichgewicht, wie im chinesischen Yin und Yang, vorzustellen. Indem wir nun also versuchen, Ordnung in unser Dasein zu bringen, hoffen wir gleichzeitig, damit die Macht der Ordnung auszubauen und so unsere Existenz vor dem Einbruch des Chaos zu sichern. Im Folgenden soll nun untersucht werden, ob dieses Bild, das wir von Ordnung und Chaos haben, gerechtfertigt ist.

2) Das Chaos :

Kaum ein Begriff in der deutschen Sprache ist derart mit Vorurteilen belastet wie der des Chaos. So sehen wir das göttliche Wirken gerade darin, daß das nach dem Urknall entstandene Chaos geordnet und gegliedert wurde. Im Gegensatz zur Ordnung assoziieren wir mit Chaos Begriffe wie "Zerstörung", "Tod" oder das "Böse" allgemein. Als Beispiel sei hier Shakespeares "Macbeth" angeführt, der durch die Ermordung des Königs die bestehende Ordnung zerstört und in einer Spätfolge des daraus resultierenden Chaos selbst getötet wird. Auch hier sind es die "bösen" Hexen,
die ihn durch mehrere Täuschungen zu dieser Tat verleiten. Doch ebenso, wie die Vorstellung, daß ein König der Stellvertreter Gottes auf Erden sei, veraltet ist, stellt sich die Frage, ob nicht auch unsere Definition des Chaos zu eindimensional ist. Ich möchte daher versuchen, die Begriffe Ordnung und Chaos wertfrei zu betrachten und sie, je nach ihrer Wirkung, in positiv und negativ zu unterscheiden.

3) Eine genauere Definition :

Im Fall von Macbeth haben wir es, wie wir ja gesehen haben, definitiv mit negativem, oder genauer mit destruktivem Chaos zu tun. Das Gegenteil hiervon wäre also positives bzw. konstruktives Chaos. Als einfachstes Beispiel sei hier eine Blumenwiese genannt: wer erfreut sich nicht lieber an einer wilden Wiese mit bunten Farben als an einer künstlich angelegten, symmetrischen Gartenanlage? Es ist jedoch unbestreitbar sinnvoll, zu Hause aufzuräumen und somit die Suche nach bestimmten Büchern, Unterlagen etc. zu verkürzen. Wir haben es hier also mit konstruktiver Ordnung zu tun. Das beste Beispiel für destruktive Ordnung ist die maschinelle Massenvernichtung im 3. Reich unter Adolf Hitler. Dieser nutzte die bestehende staatliche und bürokratische Ordnung aus, um aus ihr eine Maschienerie der Gleichschaltung und Unterdrückung zu machen, die er dann schamlos für seine Zwecke mißbraucht hat. Es ist also wichtig einzusehen, daß Ordnung und Chaos nicht per se gut oder schlecht sind, ehe der Wunsch nach Ordnung im Staat wieder zum "Ruf nach dem starken Mann" führt. Nach dieser genaueren Definition ist es jetzt an der Zeit, sich mit der Vorstellung einer Ambivalenz von Ordnung und Chaos auseinanderzusetzen.

4) Die Dominanz des Chaos :

Um sich ein Bild über das Verhältnis von Ordnung und Chaos machen zu können, ist es sinnvoll, sich mit den Naturwissenschaften zu beschäftigen. Ich möchte mich hierbei zunächst auf die Chemie beziehen. Denn bei der Berechnung von Reaktionen taucht neben dem Begriff der Enthalpie, der angibt, ob eine Reaktion exotherm (mit Energieabgabe) oder endotherm (mit Energieaufnahme) verläuft, auch der Begriff der Entropie auf, der ein Maß für die Zu- bzw. Abnahme von Unordnung bei einer Reaktion ist. So haben Wissenschaftler festgestellt, daß eine Reaktion weit häufiger und leichter abläuft, wenn dabei eine Entropiezunahme zu erwarten ist. Dies hat zu der (zugegebenermaßen etwas dubiosen) Theorie geführt, daß das Chaos im Universum immer weiter zunehme, während die Ordnung reduziert würde. Doch auch der Blick auf die Astronomie allein genügt schon, um festzustellen, daß es im Universum weit mehr Unerklärliches und Ungeordnetes geben muß, als Erklärbares und Ordentliches. Als Beispiele für die mangelnde "Erklärungskraft&quo t; der Ordnung seien hier nur das Phänomen des Schwarzen Loches und die Tatsache genannt, daß der Schnee, den wir als weiß wahrnehmen, in Wirklichkeit violett ist. Ich möchte damit nicht sagen, daß das Festhalten des Menschen an der für ihn so wichtigen Ordnung falsch oder zum Scheitern verurteilt sei, sondern ich möchte lediglich davor warnen, daß wir uns zu wichtig nehmen. Denn unser kleiner blauer Planet ist nur ein Atom im Vergleich zur Größe des Universums (oder richtiger: Multiversums), der jederzeit zerstört werden kann.

5) Fazit :

Einige Leser dieses Textes sind vielleicht jetzt der Meinung, daß ich eine Art "Weltuntergangsstimmung&q uot; verbreiten möchte. Erinnern meine Ausführungen doch sehr stark an eine Stelle in Johann Wolfgang Goethes "Faust I.": "Was sich dem Nichts entgegenstellt, das Etwas, diese plumpe Welt, ..."(Vers 1363f). Doch liegt es mir fern, durch das Aufzeigen simpler Tatsachen, die schon seit Anbeginn der Menschheit existieren, irgendeine Panik auslösen zu wollen. Vielmehr möchte ich dazu anhalten, das Chaos als einen sehr wichtigen und nicht immer negativen Aspekt unseres Daseins zu betrachten, anstatt zu versuchen, die Existenz desselben zu verdrängen. Es hat noch nie jemandem zum Vorteil gereicht, eine unabänderliche Tatsache zu ignorieren. Außerdem sind Ordnung und Chaos keine unvereinbaren Gegensätze, sondern sie gehören zusammen. Zum einen gibt es sehr wohl ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos, um erneut auf die Chemie zurückzugreifen, nur daß dieses nicht ambivalent ist. So könnte es beispielsweise ein ungefähres Verhältnis von 9:1 zwischen Chaos und Ordnung im uns bekannten Universum geben (die Dominanz des Chaos dürfte in der Realität allerdings noch größer sein). Zum anderen ist das Bild von Yin und Yang insofern richtig, als man im Chaos Ordnung und in der Ordnung Chaos sehen kann. Weiterhin beweist R. A. Salvatores Dunkelelfengesellschaft, daß Chaos auch die Grundlage einer Ordnung sein kann. Und wenn wir davon ausgehen, daß es eine gottgleiche Instanz im Universum gibt, die dieses konzipiert hat, dann liegt dem Chaos des Universums, wie man schon im Mittelalter glaubte, tatsächlich eine höhere Ordnung zu Grunde. Warum nehmen wir also nicht das Chaos des Multiversums als Grundordnung an, aus der wir dann unsere spezielle Ordnung ableiten, anstatt unsere Ordnung über das Chaos setzen zu wollen? Denn wenn wir dies machen würden, und das ist das eigentliche Fazit, stünden wir nicht länger im Widerspruch mit unserem Dasein. Als weitere positive Folgen dieses neuen Denkens wären u.a. eine größere Wertschätzung der Ordnung und infolge dessen unserer ganzer Welt und evtl. auch eine größere Gottesfürchtigkeit unter den Menschen zu verzeichnen.

Thorsten Peigelbeck, 29.11.1998

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Alwin

Registriert: 03.02.2008
Beiträge: 4

03.02.2008 - 18:57: RE: II. 1. Ordnung & Chaos | Zitieren Zitieren

Für mich ist das Chaos durchaus ein Erschaffer des Lebens. Wenn man sieht, wie aus aus jedem Gegensatz etwas Neues entsteht, dann ist die Chaostheorie die Grundlage unseres Daseins.

Das Chaos beherrschen zu lernen, dazu ist meiner Ansicht nach der Mensch auf der Welt. Eine zugegeben nahezu unlösbare Aufgabe.


Die Frage ist allerdings, warum das so ist?

 
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