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14.05.2006 - 03:04: Machtausübung, ein zentraler Grund für das Scheitern von Innovationen | Zitieren Zitieren

Diesen Text hier habe ich extra für Jeyelle und spellbpund und Sternchen und Spot hier reingepostet, falls die sich das überhaupt durchlesen, weil sie ja mehr am Smalltalk interessiert sind oder daran Leute aus dem Chat zu werfen.

http://zope.hu-berlin.de/press e/publikationen/tsp/ws02_03/ma cht_html

Das Janus-Gesicht der Herrschaft „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut“: Was Lord Acton vor 150 Jahren schrieb, gilt heute mehr denn je

Von Wolfgang Scholl

Die Macht: Sie ist ein zentraler Aspekt des sozialen Lebens, ist bewundert, gefürchtet und oft auch tabuisiert. Die große Literatur und die kleinen Stammtischgeschichten sind voll von stilisierten Figuren: dem Tyrannen oder dem weisen Herrscher, der bösen Schwiegermutter oder der weisen Frau, dem Freund, der in der Not hilft oder denunziert. Sie alle haben Macht im Sinne eines Einwirkungspotenzials, können ihren Willen gegebenenfalls auch gegen Widerstreben durchsetzen, wie Max Weber einmal schrieb, aber sie nutzen ihre Möglichkeiten ganz unterschiedlich. Dieses Janus-Gesicht sozialer Einwirkung hat der Lehrstuhl für Organisations- und Sozialpsychologie aufgenommenund zu einer definitorischen Unterscheidung geführt: Von Machtausübung wird nur gesprochen, wenn eine Person, Gruppe oder Organisation auf andere gegen deren Interessen einwirkt:Von Einflussnahme wird gesprochen, wenn die Einwirkung im Einklang mit deren Interessen geschieht. In beiden Fällen ändert sich das Erleben oder Verhalten der Betroffenen, aber die Formen und Konsequenzen sind sehr unterschiedlich.


Zwang und Bestrafung

Das beginnt damit, dass bei Machtausübung versucht werden muss, den anderen in seinen Handlungsmöglichkeiten einzuschränken, damit er nicht seinen eigenen Interessen folgt, sondern denen des Machthabers. Hierzu werden - der Reihenfolge nach - vor allem die „harten“ Machtformen Zwang, Bestrafung, über Positionen vermittelte Legalität, Koalitionen und auf akzeptierte Normen gestützte Legitimität genutzt. Weniger einschränkend und daher eher zur Einflussnahme geeignet und benutzt sind Belohnung, Expertenwissen, Information und persönliches Charisma. Mit anderen Worten: Je mehr jemand etwas gegen die Interessen anderer durchsetzen will, umso härtere Machtmittel muss er ergreifen.

Verständlicherweise führt Machtausübung, das heißt eine Einwirkung gegen die Interessen anderer, bei diesen zu negativen Gefühlen wie Ärger, Wut, Furcht und Trauer. Ärger und Wut zeigen an, dass die Betroffenen noch versuchen, erfolgreich Widerstand zu leisten. Furcht und Trauer sind bei den Betroffenen eher dann zu finden, wenn sie keine Chancen mehr sehen, sich zu verteidigen, und so geraten sie in einen Zustand der Resignation beziehungsweise „erlernten Hilflosigkeit“.

Bei Einflussnahme dagegen, bei der die Interessen der Betroffenen gewahrt oder sogar gefördert werden, sind eher positive Gefühle das Resultat: Freude, Dankbarkeit, Selbstachtung oder Ehrfurcht. Dieser massive Unterschied in den Gefühlen der Betroffenen unterstreicht die Bedeutung der konzeptionellen Unterscheidung von Machtausübung und Einflussnahme - nicht zu vergessen die Schädigung oder Wahrung der Interessen.

Ein besonderes Kapitel ist das Verhältnis von Macht und Wissen. Mit der skizzierten Unterscheidung von Machtausübung und Einflussnahme lässt sich eine höchst bedeutsame These formulieren, die sich in unseren bisherigen Untersuchungen immer bestätigt hat: Machtausübung behindert den Wissenszuwachs bei komplexen Vorhaben und verschlechtert das Ergebnis: Machthaber versuchen ihre Kontrahenten aus der Diskussion auszuschließen oder sie brechen Diskussionen ab, wenn sie ihre Interessen gefährdet sehen. Personen mit abweichender Meinung werden unter Druck gesetzt, Gegenmeinungen werden verunglimpft oder lächerlich gemacht, und Informationen werden manipuliert. In all diesen Fällen wird eine sorgfältige Bestandsaufnahme behindert, alternative Sichtweisen kommen nicht zum Zug.D ie anstehenden Entscheidungen werden kurzsichtig gefällt und die angestrebten Ziele werden verfehlt.

Weitere Brisanz gewinnt Machtausübung dadurch, dass sie meist nicht ein einzelner Vorgang bleibt, sondern dazu tendiert, immer häufiger eingesetzt zu werden. Wie David Kipnis, ein amerikanischer Wissenschaftler, gezeigt hat, verändert die Machtausübung den Machthaber selbst. Zur Rechtfertigung des eigenen Vorgehens werten Machtausübende die Betroffenen ab und sich selbst auf. Sie sind nicht nur überlegen, sondern glauben auch, es besser zu wissen.

Als Folge dieser Umwertungen erscheint Machtausübung immer notwendiger und wird immer häufiger eingesetzt: „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut“, wie der berühmte englische Wissenschaftler John Acton schon vor mehr als 150 Jahren schrieb. Acton hatte schon frühzeitig etliche Arbeiten über den Zusammenhang von Freiheit, Bildung und Macht veröffentlicht. Später wurde er dafür von der britischen Königin als Lord Acton in den Adelsstand erhoben.

In einer Studie zu gelungenen und misslungenen Innovationen konnten unsere Wissenschaftler beispielsweise zeigen, dass Machtausübung ein zentraler Grund für das Scheitern von Innovationen war, während bei den gelungenen Innovationen die Einflussnahme einen viel höheren Stellenwert hatte. Dabei war es häufig, aber keineswegs immer der Fall, dass die hierarchischen Machtverhältnisse in einer Organisation genutzt wurden. Es kam auch vor, dass unter Kollegen und Nachbarabteilungen heftige, aber meist verdeckte Machtkämpfe tobten, und auch Untergebene haben manchmal Macht gegenüber den Oberen ausgeübt.

Flachere Hierarchien

Was lässt sich daraus lernen? Viel konsequenter sollte das umgesetzt werden, was die Managementliteratur empfiehlt, nämlich flachere Hierarchien, kooperativer Führungsstil, Partizipation der Betroffenen an relevanten Entscheidungen und konstruktive Konflikthandhabung.

Darin steckt jeweils ein Verzicht auf Machtausübung und eine stärkere wechselseitige Einflussnahme. Aber auch außerhalb des Bereiches organisierter Arbeit ist die Erkenntnis gewachsen, dass Machtgefälle abgebaut werden sollten. Dies ist zum Beipspiel dann möglich, wenn Kinder Unterstützung vom Gesetzgeber und der sozialen Umgebung bekommen oder wenn Frauen gleiche Rechte de jure und de facto erreichen. Es zeichnet sich auch ab, dass in den Bereichen der großen Politik, der globalen Ökonomie und des Aufeinandertreffens von Kulturen die hier skizzierten Thesen Gültigkeit haben.

Der Autor ist Professor am Lehrstuhl für Organisations- und Sozialpsychologie.

 
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14.05.2006 - 03:09: RE: Machtausübung, ein zentraler Grund für das Scheitern von Innovationen | Zitieren Zitieren

Bei Machtausübung herrscht überall Ordnung weil sich alles an die Regeln halten muß. Aber Innovation entsteht aus dem Chaos. In einem Strebergarten brauch man nur warten dann siedeln sich dort tausende von Tiere an und es sprudelt nur so vor Leben und Innnovation. Aber in einem Garten wo alles geordnet in einer reihe gepflanzt wurde und alles dasselbe, dort kann nichts neues entstehen. Auch keine Innovation. Das ist quasi eine Diktatur in der Natur, die alles lebendige abtötet. Und so wird der Geist des Menschen auch abgetötet, wenn er sich nur noch nach den Regeln einiger diktatorischen Menschen zu richten hat. Dabei kann dann auch nichts neues mehr entstehen.

 
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14.05.2006 - 04:36: RE: Machtausübung, ein zentraler Grund für das Scheitern von Innovationen | Zitieren Zitieren

Macht korrumpiert. Man genießt es heimlich, wenn Leute sich unterwürfig verhalten, rächt sich für all die Demütigungen, die man früher selbst in unterpriveligierter Lage erdulden mußte. Ja ich glaube, daß oft gerade diejenigen, die früher schlecht behandelt wurden, ihre Macht besonders genußvoll ausüben. Macht korrumpiert immer, denn bei denen es nicht so wäre, die kommen garnicht an die Macht. Denn die meisten Menschen, die an Macht gelangen, taten dies doch meist auch darum, um diese auszunützen, warum sollte man sonst nach Macht streben? Macht korrumpiert zu 90% aller Fälle. Es gibt aber Ausnahmen und diese Ausnahme sind Menschen denen Eitelkeit, Gier und Macht weniger wichtig sind als Ideale. Der normale Mensch oder Politiker hat nicht so hohe Ideale oder sie gehen schnell verloren.

Bei empirischen Gewaltstudien wie u.a. Milgram-Experiment waren es meistens weniger als ein Fünftel der Probanden, die sich ihre Menschlichkeit bewahren konnten. Das weist auf die erschütternde Tatsache hin, dass es in unserer Kultur bei über 80 %, wenn sie am drücker sitzen und ´offiziell´ bestrafen dürfen, normal ist, dass sie sich von ihrem eigenen Selbst entfremden und keine wirkliche, auf inneren Prozessen basierende Identität aufbauen können. das ist die folge einer narzissgesellschaft, die auf identifikation, nicht eigene selbstverantwortete identität setzt.

Religionen können den Menschen Werte und Ideale vermitteln, damit sie selbst wenn sie dürften anderen Menschen keinen Schaden zufügen. Dann wäre ein von einer Religion indoktrinierter Mensch zwar nicht mehr frei in seiner Entscheidungsfähigkeit, aber das ist womöglich immer noch besser als eine Ellenbogengesellschaft wo jeder seine Macht nur dazu ausnutzt um sich selbst zu bereichern. Ein Kind hat ja auch Entscheidungsfreiheit, aber wenn diese Freiheit dazu führt, daß dieses Kind andere unschuldige Kinder quält, dann muß man dieses Kind in seiner Freiheit einschränken. Im Grunde tut die Kirche nichts anderes, weil Menschen ohne religiöse Ideale nur ihrem eigenen Ego folgen würden. Nicht alle aber 90% der Menschen. Der Mensch würde eigentlich wollen, doch darf er nicht wegen seiner Religion. Menschliches Handeln und Denken entspricht nun mal den meisten Religionen überhaupt nicht. Daher habe ich äussersten Respekt vor religiösen Menschen und jeglichen Religionen, obgleich ich selbst Atheist bin.

Andere Menschen zu quälen, nur weil ich es kann, scheint mir eine recht langweilige Sache zu sein. Wo ist da noch die Herausforderung? Was kann es mir geben, wenn andere gedemütigt sind, am Boden liege, und ich noch auf diese hilflosen Wesen trete? Die Botschaft "geh nicht auf Schwächere los, das ist feige und ehrlos" empfinde ich heute immer noch als genauso wesentlich wie damals im Kindergarten, als ich sie gelernt habe.

Eine grössere Gefahr sehe ich eher darin, dass ein Mächtiger die Verbindung mit der Realität verliert, weil sich niemand mehr getraut zu sagen, wie die Dinge sich entwickeln. Ich denke, dass eine machthabende Person explizit darum bitten und dazu auffordern muss, dass die Untergebenen immer die Wahrheit sagen, und gerade auch die unangenehmen Wahrheiten. Doch wer hat schon erlebt, dass man mit einer schlechten Nachricht zum Chef geht, und der sagt "ich danke Ihnen, dass Sie mir diese wertvolle Information brachten."? In der Regel stösst man auf Unwilligkeit, Anstrengung, Drama oder sogar ausgewachsene Wutausbrüche.

In Hierarchien ist oft wichtiger, eine gute Figur innerhalb des Machtgefüges zu machen, seine eigene Position zu behalten oder sogar auszubauen, anstatt im Interesse des Ganzen zusammen zu arbeiten. Indem man zum Beispiel sagt "es wird so gemacht, weil ich es sage", ohne jegliche Begründung, und ohne auf (gut begründete) Gegenargumente überhaupt einzugehen. Oder indem man es sich - vermutlich unbewusst - angewöhnt, seine Launen an den Unterstellten auszulassen. Gerade in der schwierigen Situation heute wehren sich viele nicht gegen ein solches Verhalten, das eigentlich unaktzeptabel ist. Oder indem man die eigene Überforderung nicht aussprechen kann - nicht um Hilfe bitten kann. Ein Mensch der verantwortungsvoll mit seiner Macht umgeht, dessen Handeln ist von Fairness geprägt.

Die Rolle, die der Narr speziell für den König spielt, ist heikel. Er duzt ihn, er darf ihn unterbrechen, er kann ihn nachahmen und sogar kritisieren. Ihm ist fast alles erlaubt, was den anderen verboten ist. Er allein hat das Recht, die Wahrheit zu sagen. Die Bedingung: Er muss das Gewand der Narrheit tragen. Nur so wird ihm Straffreiheit garantiert.
Es genügt, dass der Narr die Verrücktheit simuliert. Die Beziehung zwischen Herrscher und Narr beruht auf dieser Vereinbarung. Der Narr spielt die Rolle des Verrückten und erhält dafür das Recht auf Redefreiheit. Die Wahrheit wird nur toleriert, wenn sie sich mit der Narrheit maskiert.
König und Hofnarr repräsentieren die Macht und ihre Verspottung. Eine symbolische Restform dieser Verbindung sind der Weißclown und der Dumme August im Zirkus.

Wenn äussere Macht so oft korrumpiert und missbraucht wird, so liegt das daran, dass die Menschen, die Macht über andere ausüben, in sich selbst noch unsicher, ängstlich und unklar sind und versuchen, durch das Ausnützen ihrer Position ihre innere Unsicherheit zu überspielen.

Macht ist ein Werkzeug, und wie alle Werkzeuge kann sie positiv/konstruktiv oder negativ/destruktiv genutzt werden.

Es ließen sich mit Sicherheit nicht alle Menschen von der Macht verändern. Der Grund warum man dann doch so lange nach Personen suchen muss, die nicht korrupt sind (z.B. Dalai Lama), ist der, dass die Eigenschaften die ein Mensch braucht um überhaupt Macht zu erlangen, ganz andere sind als die, die man bräuchte um anständig zu regieren. D.h. es kommen schon mal großteils die Falschen nach oben. Jene haben es verstanden, sich Symphatie durch Leistungen und vor allem Gegenleistungen zu ergattern. Dieses symphatische Auftreten ist ein Mittel zum Zweck, um an die Macht zu kommen, um dann den Vorhang fallen zu lassen und nur noch auf die eigene Lustbereicherung ausgerichtet zu sein (--> Hedonismus).

Was zeichnet also Machtmenschen aus?
Mir ist aufgefallen, dass alle großen Machtmenschen (z.b. Mao, Stalin, Hitler...) (das weicht jetzt ein bisschen vom Thema "einfacher, korrupter Politiker" ab) Atheisten waren. Sie spüren keine Macht über sich, und müssen daher für ihr Handeln keinerlei Verantwortung übernehmen (-->milgrim-Experiment). Wie sagte Dostojewskji, "wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt", und spielte damit auf den Nihilismus (alles ist nichts) an.
Diese Machtmenschen übernehmen dann gern selbst die Rolle eines Gottes. Sie wollen wie die Religionen unfehlbar sein und die Hirne der Bevölkerung wie ein leeres Glas mit dem Führerkult füllen.

Kann also ein Atheist kein guter Mensch sein?
So weit würd ich nicht gehen, da es dann doch ab und zu Leute gibt die für ihr Handeln selbst Verantwortung übernehmen, die die Moral als oberstes Gesetz betrachten. Aber die Wahrscheinlichkeit das ein Mensch sich von macht nicht korrumpieren läßt und Dinge tut, die anderen Menschen schaden könnten ist größer wenn dieser Mensch religiös ist und sich dem Gebot der Nächstenliebe verpflichtet. Wenn ich also die Wahl hätte Jemanden zu vertrauen einem Atheisten oder einen religiösen Menschen würde ich den religiösen eher vertrauen, wobei manche Menschen ihre Gläubigkeit auch als Maske benutzen um mit dieser Maske an die Macht zukommen, um die Sympathie der Menschen zu gewinnen. Also müßte ich mir auch sicher sein, das die Religiösität dieses Menschen nicht ein Mittel zum Zweck, nämlich zum Erreichen einer Machtposition ist. Und selbst ein religiöser Mensch macht Fehler wenn er die Gesetze seiner Religion falsch auslegt, oder sich auf Dinge in seiner Religion beruft, die ihn dazu legitimieren Gewalt auf Menschen auszuüben. Einen wahren Christen oder Buddisten würde ich allen anderen Menschen jedoch als Machthaber vorziehen. Und wegen der Unzulänglichkeit und Undurchschaubarkeit der Menschen, deren wirklichen Motiven, bin ich eher dafür, daß kein Mensch Macht über andere Menschen haben darf, sondern das sich die Macht verteilt auf mehrere Menschen, damit das Werkzeug der Macht für den Menschen nicht zum Werkzeug des Todes wird. Ich schimpfe immer viel über die Demokratie, dabei ist die Demokratie das einzige was uns vor dem atomaren Holocaust retten kann.

 
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14.05.2006 - 05:00: RE: Machtausübung, ein zentraler Grund für das Scheitern von Innovationen | Zitieren Zitieren

Machtstreben
Mich fasziniert Macht, die Physik der Macht und die Paranoia der Macht. Das Bedürfnis nach Macht existiert, weil es ein Ersatz für die Seele ist.

Dustin Hoffman

Wenn auch die Fähigkeit zu täuschen ein Zeichen von Scharfsinn und Macht zu sein scheint, so beweist doch die Absicht zu täuschen ohne Zweifel Bosheit oder Schwäche.

René Descartes, Betrachtungen über die Grundlagen der Philosophie 4

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Die meisten Autoren - soweit ich das überblicke - sehen das Machstreben (vgl. evtl. auch »Wille zur Macht«) wohl einfach als eine "Conditio humana" - also eine menschliche Grundbefindlichkeit - an. → Damit ist aber letztlich immer noch nichts darüber gesagt, woher dieses Streben eigentlich kommt. Aus der "Natur" ja wohl eher nicht ...

Einige Anmerkungen zu dieser lapidaren Auskunft sind also gewiß erlaubt:

den sog. Naturvölkern, die weitgehend im Einklang mit ihrer natürlichen Umgebung leben, ist ein Machtstreben, wie wir es kennen, sicherlich fremd.

in diesem Zusammenhang ist die biblische Sündenfall-Geschichte nicht ganz uninteressant, die den Verlust des Paradieses mit einem ungeordneten / fehlgeleiteten Streben des Menschen nach Autonomie - "Auflehnung gegen Gott" - erklärt. (Bleibt die Frage, wieso diese Auflehnung nicht universal war - die Naturvölker diesen Schritt also anscheinend nicht getan haben?)

auch ist zu Bedenken, daß das Machtstreben nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt ist, und daß es auch so etwas wie ein "lustvolles" sich Unterwerfen (wollen) gibt, mit dem die Betreffenden sich von ihrer Verantwortung meinen freisprechen zu können!

Vielleicht ist Machtstreben - und die damit korrespondierende Unterwerfungsbereitschaft - aber auch schlicht ein Zeichen von Mangel! Die Betreffenden versuchen auf diese Weise etwas, ihnen existentiell Fehlendes (Abhandengekommenes(?)), zu kompensieren ....

Dazu paßt auch, daß die Besten seit jeher Machtausübung - als Irrtum und quasi dämonische Fehlleistung - anprangern und ablehnen.

Tugend und absolute Macht passen nicht zusammen.

Lukan, Der Bürgerkrieg

Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen.

Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905.

Wo die Liebe herrscht, da gibt es keinen Machtwillen, und wo die Macht den Vorrang hat, da fehlt die Liebe. Das eine ist der Schatten des andern.

C.G. Jung

Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.

John Emerich Edward Dalberg-Acton

Der Geist hat die Aufgabe, die Macht zu zersetzen. Ich würde ihm die Parole geben: »Libera et divide!«

Otto Flake, Essay

LukasGodulla (14.03.06)
Wenn es Kulturen ohne Machtstreben gibt, ist es eine kulturelle Erfindung. Es ist selbstverständlich, dass eine Kultur, die Herrschaft erfunden hat, zumindest für eine Phase beherrschend wird. Interessant finde ich den Ansatz, dass wir in einer Mischkultur leben, die auch nicht-herrschaftsförmige Momente beinhaltet.

ThomasKalka

 
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14.05.2006 - 05:06: RE: Machtausübung, ein zentraler Grund für das Scheitern von Innovationen | Zitieren Zitieren

Wille zur Herrschaft
Wir müssen den Blick nach innen richten. Wir müssen aufhören mit dem Finger auf die bösen Anderen zu deuten. Jeder einzelne von uns muß sein Denken überdenken. Denn die Mächtigen haben ihre Macht nicht aus sich selbst heraus. Nein, es sind wir selbst, die wir ihnen die Macht verleihen.

Ich habe bei David Quinn's "Ismael" eine ... Aufteilung der Menschheit gefunden ... Ismael nennt sie die "Nehmer" und die "Lasser". Die "Lasser" sind die Menschen die seit etwa 3 Millionen Jahren die Erde als Naturvöker besiedelt haben und die "Nehmer" sind die Menschen die vor etwa 10.000 Jahren im Zweistromland begonnen haben als Bauern und Viehzüchter sich mit dem Schwert über die Erde auszubreiten und damit unsere heutige Kultur begründeten. Von den Naturvölkern ist nahezu nichts mehr übrig geblieben und den verbleibenden Rest töten wir auch noch. Ob es uns gefällt oder nicht, wir alle, ob Christen oder Muslime, sind letztlich die "Nehmer" dieser Welt.

Die Welt wurde geschaffen, damit der Mensch sie sich untertan macht. Das flüstert uns Mutter Kultur seit 10.000 Jahren ein. Und wir glauben es heute noch. Die einen ganz offen, die andern unterschwellig. Dieser Wille zum Herrschen ist es, der auch vor uns selbst nicht halt macht. Wer die Gelegenheit zum Herrschen bekommt wird sie nutzen. Wer sie nicht bekommt partizipiert an der Herrschaft oder ist eben ein Verlierer und wettert gegen die Herrscher weil er unter ihnen leidet.

Die große Mehrheit der Menschen ist so. Ich selber nehme mich da gar nicht aus. Wer bin ich denn, daß ich mich über andere stellen könnte. Aber es gibt Hoffnung.

Wir müssen den Blick nach innen richten. Wir müssen aufhören mit dem Finger auf die bösen Anderen zu deuten. Jeder einzelne von uns muß sein Denken überdenken. Denn die Mächtigen haben ihre Macht nicht aus sich selbst heraus. Nein, es sind wir selbst, die wir ihnen die Macht verleihen. In der Demokratie indem wir sie wählen, im Kapitalismus indem wir ihnen unser Geld geben, und in der Tyrannei indem wir sie dulden. Die Übergänge hier sind fließend und ich gebe zu die Auswege oft schwierig.

>> Ich persönlich bin für eine Mischung aus Macht und Demokratie. Leider entwickelt sich die Welt momentan mehr in Richtung Macht, Abschaffung von Staat in dem demokratisch gewählt wurde und das wird dann ersetzt durch die diktatorische Macht des Kapitals durch die Globalisierung. Die Menschen wählen zwar noch demokratisch die Parteien, aber die Macht haben die Multinationalen Konzerne. Und diese Macht wird zu 90% zu eigenen Interessen ausgenutzt und nicht zum Wohle der Allgemeinheit. Das liegt in der Natur des Menschen. Der totale Kapitalismus, ist die totale Macht an multinationale Konzerne an das Kapital. Mit der totalen Möglichkeit das diese Macht auch total eingesetzt wird und nicht zum Wohle aller sondern nur zum Wohle einiger weniger. Der Geldelite.

 
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14.05.2006 - 05:44: RE: Machtausübung, ein zentraler Grund für das Scheitern von Innovationen | Zitieren Zitieren

Ich würde sagen, Macht verführt. Mancher kann sich dagegen gut wehren und bleibt ehrlich. Mancher nicht.

Macht korrumpiert nur, wenn man kein "Fanatiker" ist, d.h. jemand der bezüglich seiner Weltanschauung keine Kompromisse eingeht.

Ein "Realpolitiker" oder "Technokrat" ist dagegen im höchsten Maße anfällig korrumpiert zu werden. Einfach deswegen weil er nichts hat, was absolut ist. Schnell wird da der eigene Nutzen zum Maß aller Dinge und die Werte von gestern auf den Mülleimer von heute gekippt.

Alle Fanatiker (auch religiöse) an die Macht. Auf in den atomaren Holocaust.

Man müßte fanatisch idealistisch sein. Aber soein Mensch müßte ewig leben. Spätestens nach seinem Tode würde sich ein fanatisch nicht idealistischer oder ein nichtfanatischer Mensch an seine Stelle setzen und damit der Welt einen neue Schreckensherrschaft bescheren.

 
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14.05.2006 - 15:22: RE: Machtausübung, ein zentraler Grund für das Scheitern von Innovationen | Zitieren Zitieren

>> Ich persönlich bin für eine Mischung aus Macht und Demokratie. Leider entwickelt sich die Welt momentan mehr in Richtung Macht, Abschaffung von Staat in dem demokratisch gewählt wurde und das wird dann ersetzt durch die diktatorische Macht des Kapitals durch die Globalisierung. Die Menschen wählen zwar noch demokratisch die Parteien, aber die Macht haben die Multinationalen Konzerne. Und diese Macht wird zu 90% zu eigenen Interessen ausgenutzt und nicht zum Wohle der Allgemeinheit. Das liegt in der Natur des Menschen. Der totale Kapitalismus, ist die totale Macht an multinationale Konzerne an das Kapital. Mit der totalen Möglichkeit das diese Macht auch total eingesetzt wird und nicht zum Wohle aller sondern nur zum Wohle einiger weniger. Der Geldelite.


In Zeiten der Globalisierung ist die Politik nicht mehr handlungsfähig. Die notwendigen Gesetze von denen Schröde vor Jahren immer gesprochen hat, wie die Mehrbesteuerung von Gewinnen die im Ausland investiert werden und die weniger Besteuerung der Gewinne die im Innland investiert werden und eine ganze Reihe anderer "notwendiger" Gestze diese wurden damals vor Jahren nicht gemacht. Jetzt ist es zu spät. Man hätte verhindern können das das Kapital und das Know How ins Ausland wandert. Aber das jetzige Einführen dieser Gesetze kann allenfalls noch eine Schadensbehebung sein. Theoretisch müßte man bei dieser Massenarbeitslosigkeit den Ausnahmezustand verhängen, um dann eine Zwischenregierung zu bilden, welche dann dazu in der Lage ist ALLE NOTWENDIGEN Gesetze ohne Zeitverzögerung zu verabschieden und durchzusetzen.

 
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