sign up! webstats forums guestbooks calendars
"Erkenne Dich selbst !", so stand es schon einst über dem Orakel von Delphi.
Möget ihr, die ihr hierher kommt, um nach Antworten auf die Fragen des Lebens zu suchen, bereichert von hier gehen.
Doch denkt auch daran: If you look too deep into the abyss, the abyss looks back into you ...
Nemesis' Hallen der Erkenntnis
Seite: 1 Antworten Antworten
Verfasser Beiträge
Nemesis (M+)

Avatar

Registriert: 31.03.2004
Beiträge: 1238

27.02.2015 - 22:47: Das Cotard-Syndrom | Zitieren Zitieren

Cotard-Syndrom: Patienten halten sich für tot
Aktualisiert am 27. Februar 2015, 17:34 Uhr

Patienten, die unter dem Cotard-Syndrom leiden, halten sich für tot. Sie sind durch kein Argument und keinen Beweis von dieser Vorstellung abzubringen. Glücklicherweise kennen Therapeuten Mittel, um den Betroffenen zu helfen.


Eine 43-jährige Frau ist felsenfest davon überzeugt, kein Gehirn, keinen Darm und keinen Magen zu haben. Ihr Körper besteht nach ihrer Vorstellung nur aus Haut und den aufgelösten Resten ihrer Knochen. Weil ihr Körper innerlich aufgelöst sei, brauche sie kein Essen. Für die Frau ist klar: Sie ist tot – oder besser: untot. Denn dass sie überhaupt existiert, streitet sie nicht ab. Sie besteht sogar darauf, verbrannt zu werden, weil sie ansonsten bis in die Unendlichkeit in diesem Zustand weiterexistieren müsse.

Der Arzt, der diesen Fall im Jahr 1880 beschrieb, war der Franzose Jules Cotard. Nach ihm wurde die wahnhafte Vorstellung, tot zu sein, benannt. Die Betroffenen sind überzeugt, ihre inneren Organe würden nicht funktionieren oder fehlen, sie hätten keinen festen Körper, sie seien tot.

Die beiden Fachärzte für Psychiatrie, Petra Garlipp und Horst Haltenhof, beschreiben die Krankheit in ihrem gemeinsamen Buch "Seltene Wahnstörungen" als einen "nihilistischen Wahn", bei dem die Kranken entgegen aller Gegenbeweise nicht von der Gewissheit ihres "Nichtseins" abzubringen sind. Paradoxerweise haben viele Betroffene, so wie die Patientin von Jules Cotard, gleichzeitig die Vorstellung, ewig weiterexistieren zu müssen.


Ein qualvoller Zustand

Für viele sind auch Suizidgedanken kein Widerspruch zu der Überzeugung, bereits tot zu sein. "Vielleicht sollte man sich noch einmal das Leben nehmen, um dem Schicksal zu zeigen, dass man wirklich tot sein will", schrieb ein junger Architekturstudent, der nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma unter dem Syndrom litt. Dessen Fall beschreiben Mario Paulig und seine Kollegen in einem Fachbeitrag. Der rückblickende Bericht des 20-Jährigen zeigt auch, wie qualvoll der Zustand für die Betroffenen sein muss: "Es überraschte mich, dass es ein Leben nach dem Tod gab; jedoch dass es so schrecklich sein sollte, enttäuschte mich. (…) Ich dachte, ich muss schlimme Sachen in meinem Leben gemacht haben; anders hätte ich diese Strafe nicht erklären können."

Die Behandlung des jungen Studenten war erfolgreich. Bereits einige Monate nach seinem Unfall konnten die Therapeuten die Stabilisierung seines psychischen Zustandes feststellen.

Die Erfolgsaussichten einer Therapie des Cotard-Syndroms hängen davon ab, wodurch es ausgelöst wurde. Denn die Ursachen können sehr vielfältig sein. Eine mechanische Schädigung des Gehirns, wie bei dem Architekturstudenten, ist eine Möglichkeit. Auch Cotards Patientin gab an, dass ihre Krankheit damit begann, dass sie ein Knacken in ihrem Rücken spürte, das hoch bis in ihren Kopf zog.

Doch aus der Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes bei Garlipp und Haltenhof wird deutlich, dass das Cotard-Syndrom schwer abzugrenzen ist und offenbar in unterschiedlichen Krankheitszusammenhängen auftaucht. So kann es beispielsweise als eine extreme Steigerung des depressiven Gefühls der Bedeutungslosigkeit auftreten. Das Gefühl, nichts wert zu sein, steigert sich in diesem Fall in die wahnhafte Überzeugung, nicht zu sein. Aber auch eine schizophrene Psychose kann sich in dem Syndrom äußern.

Eine Therapie muss nach Garlipp und Haltenhof neben einer medikamentösen Behandlung auch "fürsorglichen Schutz" beinhalten. In der akuten Phase sind die Betroffenen pflegebedürftig. Eine andere Person muss die "Ich-Funktionen" für sie übernehmen und den Körper, den die Betroffenen selbst für tot halten, ernähren, pflegen und schützen. Wenn die Wahnvorstellungen abklingen, benötigen die Patienten meistens eine weitergehende psychologische Behandlung, um die zugrundeliegenden Störungen zu beheben. In den von Paulig beschriebenen Fällen, in denen das Syndrom durch eine mechanischen Schädigung des Gehirns ausgelöst wurde, konnten alle Patienten nach einer erfolgreichen Therapie wieder einen normalen Lebensalltag aufbauen und sich auch wieder in die Arbeitswelt integrieren.

Quellenangaben:
Petra Garlipp und Horst Haltenhof: "Seltene Wahnstörungen: Psychopathologie – Diagnostik – Therapie" Steinkopff Verlag 2010
Mario Paulig et al.: "Depersonalisationssyndrom nach erworbener Hirnschädigung: Überblick anhand von 3 Fallbeispielen und Literatur sowie Diskussion ätiologischer Modelle" In: "Der Nervenarzt" 12/98

Quelle: GMX.de

--------------------------------------------------------------------------
You think you KNOW me ?! - You ain´t seen NOTHING yet !

"Damit ihr wißt, wie es ist, in der Hölle zu sein,
damit ihr wißt, wie es ist, nach Erlösung zu schrei´n,
nur deshalb komm´ ich zurück,
mit flammendem Blick,
ich nehm´ das letzte Streichholz
und verbrenne eure schöne, heile Welt!"
(Oomph!)

Phobos - Daimos - Thanatos

 
Private Nachricht schicken E-Mail senden Startseite
Seite: 1 Antworten Antworten
Schnellzugriff:
Kostenlose Zähler und Statistiken für Ihre Website bei www.motigo.com
Get free forums, guestbooks, calendars, shorturls and web statistics at motigo.
Site Information